Wenn ein einziger Tag ohne Beschlag zur Krise wird
Manchmal reicht ein einziger Tag. Stute Gioia – sonst fit und aktiv – war für 24 Stunden unbeschlagen. Das Ergebnis: eine akute Belastungsrehe mit einer Hufbeinrotation von 10 Grad, diagnostiziert durch den Tierarzt. Eine Situation, die viele Pferdebesitzer:innen kennen und fürchten.
Doch was genau ist Belastungsrehe? Was passiert im Huf? Und wie kann ein therapeutischer Klebebeschlag mit Keil und Knetpolster wirklich helfen? In diesem Beitrag nehmen wir euch mit – vom ersten Befund bis zur konkreten Versorgung mit dem RUNA Klebebeschlag.
Belastungsrehe: Wenn der Huf überbelastet wird
Hufrehe (Laminitis) ist eine der schmerzhaftesten Erkrankungen beim Pferd. Sie beschreibt eine Entzündung der Huflederhaut – jenes hochsensiblen Gewebes, das das Hufbein mit der Hornkapsel verbindet. Bei der Belastungsrehe entsteht die Entzündung durch mechanische Überlastung: Ein Pferd, das plötzlich ohne Beschlag auskommen muss, kann innerhalb von Stunden in einen akuten Reheschub geraten.
Hufrehe ist ein Notfall. Bis der Tierarzt eintrifft, sollte das Pferd auf sehr weichem Boden stehen und das betroffene Bein gekühlt werden.
- Cavallo.de – Fachredaktion Pferdegesundheit
Was ist eine Hufbeinrotation?
Im gesunden Huf hängt das Hufbein über den Hufbeinträger (Lamellen) an der Hornkapsel. Bei einer Rehe entzünden sich diese Lamellen – die Verbindung zwischen Hufbein und Hornwand wird geschwacht. Die Lamellen, die Horn und den lebenden Hufanteil verbinden, reißen durch die Entzündung. Damit sie nachwachsen können, müssen sie im richtigen Winkel stehen – am besten möglichst parallel.
Durch den anhaltenden Zug der tiefen Beugesehne, die an der Unterseite des Hufbeins ansetzt, kann sich das Hufbein aus seiner normalen Position drehen – es rotiert. Bei Gioia betrug diese Rotation 10 Grad.
Häufig beginnen die Erzählungen über meine Patienten so: ‘Mein Pferd leidet an
- Tierheilpraktikerin Nehls – Expertin für Hufrehe
akuter Hufrehe, die Rotation liegt schon bei 13°! Kann man da noch etwas machen?’
Viele nehmen den Schweregrad der Rotation als Maßstab für die Heilungschancen –
doch das ist nicht zwingend so.
Warum ist die tiefe Beugesehne so entscheidend?
Die tiefe Beugesehne verläuft von der Unterseite des Unterarms bis zur Unterseite des Hufbeins. Bei geschwachtem Hufbeinträger wird ihr Zug zum Problem: Sie zieht die Hufbeinspitze nach unten und innen – das Hufbein rotiert. Das Ziel jeder therapeutischen Maßnahme bei akuter Rehe mit Rotation: diesen Zug reduzieren.
Durch das Anheben der Trachten (des hinteren Hufbereichs) wird der Winkel zwischen Fesselbein und Hufbein verändert. Das entlastet die tiefe Beugesehne – und damit das Hufbein. Kurzfristig ist das ein wichtiger therapeutischer Schritt bei akutem Reheschub.
Um die tiefe Beugesehne zu entlasten, die unten am Hufbein ansetzt, verspricht man
- hippophil.de – Fachbeitrag zur Trachtenerhöhung bei Hufrehe
sich durch die Trachtenerhöhung eine Minimierung der Rotation des Hufbeines in der
Hornkapsel.
Aber: Keile haben auch eine Kehrseite, die man kennen muss. Die Trachtenerhöhung verändert den Winkel, in dem die Lamellen stehen. Für die langfristige Genesung müssen die Lamellen jedoch im richtigen Winkel nachwachsen – möglichst parallel. Bleiben die Keile zu lange drin, behindern sie genau das: Die Lamellen können nicht in ihren optimalen Winkel zusammenwachsen.
Keile erfüllen sehr wohl ihren Zweck – vor allem beim akuten Reheschub. Sie
reduzieren den Zug der tiefen Beugesehne auf das Hufbein. Aber: Sie müssen wieder
raus. Nicht nach einer festen Zahl von Wochen – das ist sehr individuell. Man muss
ein Auge dafür haben, wie das Pferd läuft. Läuft es stark trachtenbetont, versucht es
also, die Zehe zu entlasten und überdehnt das Bein nach vorne, dann ist das ein
Zeichen, dass die Keile reduziert werden sollten. Das Ziel: Irgendwann ohne Keile,
damit die Lamellen im richtigen Winkel zusammenwachsen können.- Vladimir Joffe, Gründer Hoofstar
Wann Keile reduzieren - und warum das individuell ist
Es gibt keine festen Zeitangaben, nach denen Keile reduziert oder entfernt werden müssen. Das ist immer eine individuelle Entscheidung – in enger Absprache mit dem Tierarzt und mit einem guten Blick auf das Pferd. Folgende Beobachtungen können ein Hinweis sein, dass die Keile reduziert werden sollten:
- Das Pferd läuft stark trachtenbetont – es versucht, die Zehe zu entlasten.
- Das Bein wird weit nach vorne gestreckt, um das Gewicht auf die Trachten (beim Pferd vergleichbar mit der Ferse beim Menschen) zu verlagern.
- Die Schmerzsymptomatik hat sich deutlich gebessert.
Grundsätzlich gilt: Keile sind ein akutes Hilfsmittel. Langfristig müssen sie raus, damit die Lamellen im richtigen Winkel zusammenwachsen und der Huf dauerhaft genesen kann.
⚠️ Wichtig: Zeitangaben wie „3 Wochen“ oder „6 Wochen“ sind grobe Orientierungswerte – keine festen Regeln. Jedes Pferd ist anders. Die Entscheidung, wann Keile reduziert oder entfernt werden, gehört immer in Absprache mit einer Tierarzt-Praxis und erfahrenen Hufbearbeiter:innen.
Die Diagnose
Tierarzt-Befund bei Stute Gioia nach einem Tag ohne Beschlag:
- Belastungsrehe (akut)
- Hufbeinrotation: 10 Grad
- Tierärztliche Empfehlung: Klebebeschlag mit Keil und Polster
🩺 Wichtig: Jede Rehe-Therapie gehört in enger Abstimmung mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt durchgeführt. Die hier beschriebene Versorgung basiert auf einer konkreten tierärztlichen Diagnose und Empfehlung.
Die Hufbearbeitung durch den Hufschmied
Bevor der Klebebeschlag angebracht werden konnte, wurde der Huf fachgerecht vorbereitet:
- Ausschneiden des Hufes
- Sehr kurze Zehe – bis zur weißen Linie
- Leichte Schwebe an der Zehe, um den vorderen Bereich zu entlasten (siehe Bild)
- 6-Grad-Keile eingelegt
- Vorne gekürzt, damit die Zehe Luft hat
Durch den Lichtspalt, der sich aus einem anderen Winkel zeigt, wird deutlich: Die Zehe ist bewusst freigestellt. Das ist kein Fehler – das ist das Ziel. Und genau deshalb spielt das Knetpolster eine so wichtige Rolle.
Der entscheidende Vorteil: Kleben in unter 10 Sekunden
Gioia konnte vor Schmerzen die Beine kaum hochhalten. Das Zeitfenster für alle Arbeiten am Huf: rund 10 Sekunden – dann musste das Bein wieder abgesetzt werden, weil die Belastung auf den anderen Beinen zu groß wurde.
Genau hier zeigt der RUNA Klebebeschlag seinen größten praktischen Vorteil: Maß nehmen, Schuh anziehen, Keil einlegen, Polster setzen – all das ist am stehenden Pferd möglich und in diesem engen Zeitfenster umsetzbar. Kein langes Hufhochhalten. Kein Stress für das Tier.
Das ist ein riesiger Vorteil unseres Klebebeschlags: Wir kleben fast ausschließlich auf dem Boden. Maß nehmen, Schuh anziehen – das ist alles in unter 10 Sekunden zu erledigen. Bei einem Pferd, das vor Schmerzen kaum stehen kann, ist das der Unterschied.
- Vladimir Joffe, Gründer Hoofstar
Schritt 1: Tierärztliche Diagnose & Abklärung
Vor jeder therapeutischen Maßnahme steht die genaue Diagnose. Röntgenaufnahmen zeigen den Grad der Hufbeinrotation. Der Tierarzt legt fest, welcher Keilgrad sinnvoll ist und ob ein Polster empfohlen wird
Schritt 2: Fachgerechte Hufbearbeitung
Der Huf wird von einer erfahrenen Hufpflegerin oder einem Hufschmied ausgeschnitten. Bei Rotation: kurze Zehe, ggf. Schwebe, Trachten entsprechend vorbereiten. Nur auf einem fachgerecht bearbeiteten Huf sitzt der Beschlag korrekt.
Schritt 3: RUNA Größe einstellen & fixieren
Den RUNA Klebebeschlag auf die Hufbreite einstellen (4 Einstellmöglichkeiten). Die Größe mit den mitgelieferten Schrauben und Muttern fixieren. Der Schuh sollte eng und satt sitzen.
Schritt 4: Keil einlegen
Den passenden RUNA Keil (bei Gioia: 6 Grad) in den Schuh einlegen. Der Keil erhöht die Trachten und entlastet so die tiefe Beugesehne. Wichtig: Der Keil ist ein akutes Hilfsmittel – er muss später individuell reduziert und entfernt werden, damit die Lamellen im richtigen Winkel nachwachsen können.
Schritt 5: Knetpolster einbringen
Das Knetpolster aus Zwei-Komponenten-Silikon wird gemischt und in den Huf gedrückt. Den Schuh vorsichtig anziehen. Durch das Gewicht des Pferdes verteilt sich das Silikon gleichmäßig über Strahl und Sohle. Alles, was übersteht, kann nach dem Aushärten sauber abgetragen werden.
Schritt 6: Huf vorbereiten & RUNA kleben
Hufwand mit der feinen Seite der Raspel anrauen und entfetten (Alkoholtuch). Schuh von innen ebenfalls entfetten. Laschen von hinten nach vorne kleben – jede Lasche einzeln, 5 - 10 Sekunden gleichmäßig andrücken.
Schritt 7: Kontrolle & individuelle Keil-Reduktion
Kein fester Zeitplan – die Entscheidung, wann Keile reduziert oder entfernt werden, ist immer individuell. Beobachte, wie das Pferd läuft: Stark trachtenbetont, Bein weit nach vorne gestreckt? Das kann ein Zeichen sein, die Keile zu reduzieren. Ziel: Irgendwann ganz ohne Keile, damit die Lamellen im richtigen Winkel zusammenwachsen können.
RUNA Klebebeschlag
Der RUNA ist der Kern der Therapie. Als fertiger Klebebeschlag ohne Schweißen und Zuschneiden lässt er sich in wenigen Minuten am stehenden Pferd anbringen – ideal für schmerzgeplagte Rehepferde, die kein Hufhochhalten tolerieren. Wiederverwendbar, flexibel und made in Nordfriesland.
- Montage in unter 5 Minuten
- Klebung am stehenden Pferd – kein Stress
- Haltbarkeit: 5–9 Wochen je nach Nutzung
- Kompatibel mit Keilen, Knetpolster und Widia-Stiften
RUNA Keile - therapeutische Trachtenerhöhung
Die Hoofstar Keile sind passgenau für den RUNA entwickelt. Sie werden einzeln pro Schuh verkauft – so können links und rechts unterschiedliche Höhen eingesetzt werden.
- Erhältlich in 1-Grad-Schritten (1° bis 5°, Sondermaße auf Anfrage)
- Entwickelt & produziert in Deutschland
- Nur für den RUNA – stabiler Sitz, schnell eingelegt
- Therapeutische Anwendung nur in Absprache mit Tierärzt:innen
⚠️ Bei Gioia wurden 6-Grad-Keile eingesetzt. Für individuelle Keilgrade außerhalb des Standardsortiments fertigt Hoofstar Sondermaße – einfach per E-Mail anfragen: info@hoofstar.com
Knetpolster - Zwei-Komponenten-Silikon
Das Knetpolster aus Zwei-Komponenten-Silikon erfüllt zwei entscheidende Funktionen – und die haben nichts mit Keimschutz zu tun:
1. Gleichmäßige Lastverteilung
Bei Gioia wurde die Zehe sehr kurz ausgeschnitten und eine Schwebe gesetzt – mit Absicht. Die Zehe soll keinen Bodenkontakt haben. Gleichzeitig wurden die Keile im Schuh ausgeschnitten, damit dort wirklich Luft entsteht. Das Silikon füllt genau diesen Hohlraum. Durch das Gewicht des Pferdes verteilt es sich über den gesamten Strahl und die Sohle. Das Ergebnis: Das Gewicht liegt nicht mehr auf der Zehe, sondern gleichmäßig auf dem ganzen Huf.
2. Schutz vor Schmutz in der frei geschnittenen Zehe
Die frei geschnittene Zehe hat Luft – das ist gewünscht. Aber: Ohne Schutz würden sich Steinchen und Schmutz in diesen Hohlraum setzen. Und dann würde genau das passieren, was verhindert werden soll: Der Boden überträgt Druck auf die Zehe. Das Silikon besetzt diesen Platz dauerhaft. Es bleibt weich, gibt Druck nicht weiter und verhindert, dass die frei geschnittene Zehe wieder Bodenkontakt bekommt – nur weil sich Schmutz reingesetzt hat.
Das Knetpolster sorgt dafür, dass die komplette Belastung nicht auf der Zehe liegt. Der gesamte Strahl und die ganze Sohle werden tragend. Und die zweite Funktion: Es besetzt den Hohlraum, den wir durch das Ausschneiden der Zehe geschaffen haben – damit kein Schmutz reinkommt und die Zehe keinen Bodenkontakt bekommt. Das hat nichts mit Keimschutz zu tun.
- Vladimir Joffe, Gründer Hoofstar
Fazit: Rehe ist kein Urteil - mit dem richtigen Beschlag geht es vorwärts
Gioias Geschichte zeigt: Auch eine akute Belastungsrehe mit 10 Grad Hufbeinrotation kann mit dem richtigen Vorgehen gut versorgt werden. Der Schlüssel liegt in der engen Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, Hufschmied und Pferdebesitzer:in – und in den richtigen Hilfsmitteln.
Der RUNA Klebebeschlag mit Keil und Knetpolster bietet eine schonende, flexible und effektive Möglichkeit, Rehepferde therapeutisch zu versorgen. Ohne Nageln, ohne Schweißen, ohne unnötigen Stress für das Tier.
Keile erfüllen ihren Zweck – therapeutisch, in Absprache mit dem Tierarzt, und mit dem Bewusstsein, dass sie irgendwann wieder raus müssen. Damit die Lamellen im richtigen Winkel zusammenwachsen können. Das ist das Ziel.
- Vladimir Joffe, Gründer Hoofstar
Hast du Fragen zur Rehe-Versorgung mit dem RUNA?
Melde dich direkt bei uns – per WhatsApp oder E-Mail an info@hoofstar.com. Wir beraten dich persönlich und helfen dir, die richtige Lösung für dein Pferd zu finden.
Jetzt RUNA Klebebeschlag entdecken: www.hoofstar.com
Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Jede therapeutische Maßnahme bei Hufrehe sollte in enger Absprache mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt erfolgen. Die RUNA Keile sind therapeutische Produkte – ihre Anwendung setzt eine professionelle Diagnose und Hufbearbeitung voraus.